Barrierefrei wohnen im eigenen Heim (Plattenbau 2.0)

Barrierefreies Wohnen stellt eine zentrale Verbindung zwischen den Themenfeldern „Demographischer Wandel“ und „Infrastruktur“ dar, da die Wohnumgebung den Bewohnern angepasst wird und nicht die Bewohner sich den aktuellen Gegebenheiten anpassen bzw. somit nicht ihre vertraute Umgebung im Rahmen des demographischen Prozesses verlassen müssen.

Ein Großteil des Wohnungsbestandes ist nicht barrierefrei gebaut und weißt Geschossunterschiede auf. Deshalb sollten die betroffenen Bauteile so umgestaltet werden, dass sie von gehandicapten Personen genutzt werden können. Ohne Umbau wird ein Zusammenleben verschiedener Generationen und vor allem mit funktions- und mobilitäts-eingeschränkten Menschen in diesen Gebäuden schwierig bis unmöglich.
Die teilweise historischen Plattenbauten, die das Ortsbild prägen, sind in den meisten gebauten Varianten nicht barrierefrei und ein Umbau (z.B. mit einem Fahrstuhl) sehr kostspielig. Die Anpassung ist mit den zur Zeit zu Verfügung stehenden Möglichkeiten und Produkten nur mit hohem Aufwand zu realisieren.
Viele der marktüblichen Systeme und Systemlösungen haben darüber hinaus gravierende Mängel hinsichtlich Hygiene, Ergonomie, Widerstandsfähigkeit etc.. Das Spektrum des barrierefreien Wohnens erstreckt sich aber auch über Möbel, Sanitärgegenstände und am Ende Assistenzsysteme. Gerade diese Assistenzsysteme sind meist Insellösungen und verfügen über keine offenen oder standardisierten Schnittstellen.

Das größte Problem besteht in der technischen Umsetzung des Einbaus innerhalb bzw. des Anbaus eines Spezialaufzugs zur Erlangung der Barrierefreiheit für die einzelnen Stockwerke außerhalb des Gebäudes. Bei mehrgeschossigen Plattenbauten (in der Regel vier Geschosse und mehr) wird aus Kostengründen ein Einbau eines Spezialaufzugs nur zum Erreichen der Halb-Etagen installiert.
Der ganze Prozess wird begleitet von einem hohen bürokratischen Aufwand, der zudem eine in einander greifende Bauablaufplanung erfordert, da der Umbau bewohnter Gebäude vorsieht. Dadurch sind viele aktuelle Bewohner von Baulärm und anderen baubedingten Einschränkungen betroffen, die die Bewohnbarkeit und Zugänglichkeit höher gelegener Etagen erschwert.

Die Plattenbauten sind auf Grund ihrer Bauart selbst im Erdgeschoss nicht barrierefrei. Das beengte Treppenhaus und die versetzte Anordnung von Treppenabsätzen und Geschossen machen den einfachen Einbau eines Standard-Aufzugs zur Erlangung der Barrierefreiheit schwer möglich.

Mit dem Einbau eines Bühnenliftsystems für die ersten beiden Etagen kann für diese Geschosse ein barrierefreier Zugang geschafft werden. Der Zugang wäre balkonseitig für 4 Wohnungen barrierefrei erreichbar. Dadurch können mobilitätseingeschränkte Menschen diese beiden Stockwerke bewohnen. Die oberen Stockwerke bleiben weiterhin nur über das Treppenhaus erreichbar. Somit kommt es automatisch zu einer Mischung innerhalb der Bewohnerstruktur.

Hindernisse stellen die Eigentumsverhältnisse bei mehr als einem Eigentümer dar. Daraus ergeben sich vor allem Probleme bei der Kostenbeteiligung und Kostenaufteilung. Ein wichtiger Punkt ist ebenfalls die technische Abnahme des Systems und die Zuständigkeit der Wartung.

Ziel ist, den Wohnungsbestand und vor allem die Plattenbauten so fit für die Zukunft zu machen, so dass auch langjährige Bewohner im Alter nicht gezwungen werden, aus ihrer gewohnten Umgebung weg-ziehen zu müssen, sondern nur innerhalb eines Gebäudes auf einen barrierefreien Stock umziehen können. Dadurch entsteht innerhalb des Gebäudes eine Art Generationen-Rotation.
Gleichzeitig besteht auch für andere Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit, im Plattenbau 2.0 eine neue Heimat zu finden.

• Eigentümer
• Bewohner (alt)
• Bewohner (neu)
• Genehmigungsbehörden (Bauamt, teilweise Denkmalschutz)
• Ausführende Baufirmen, Handwerker
• Architekt / planende Baufirma
• Industrie, Produktentwickler
• Nachbarschaft / Anlieger (von Baulärm betroffene)
• Finanzierungspartner (Banken, Förderbanken)