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Erste Lösungen und die Chance zur Beteiligung

Konstruktiv und offen ging es zu beim Challenge Workshop des Innovation Camps in Halle (Saale). Am 20. September 2022 kamen engagierte Menschen im Mitteldeutschen Multimediazentrum (MMZ) zusammen, um über mögliche Hitzeschutzmaßnahmen für Halles Innenstadt zu diskutieren. Der Einladung der Stadt folgten Teilnehmer:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Ziel des Workshops: Herausforderungen vor Ort identifizieren, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, und Lösungsansätze finden.

Die Motivation im MMZ war spürbar, konnte man sich doch bereits im Vorfeld darauf einigen, dass Klimawandel alle betrifft und man ins Handeln kommen müsse. Bei den Challenges rund ums Wohnen, die Gestaltung öffentlicher Plätze und Gewerbeflächen in Halles Innenstadt oder die Nutzung von Gebäuden sowie einer Solar- und Gründachbörse war der Gesprächsbedarf groß, genauso wie die Ideenvielfalt der Lösungen.

Optimierung von Bestandsgebäuden

Bei dieser Challenge betrachteten die Workshop-Teilnehmer:innen den Umgang mit den knapp 900 verschiedenen Gebäuden der Stadtverwaltung. Kern der Diskussion: Wie lassen sich die vielfältigen Objekte von der Kindertagesstätte bis zum Feuerwehrgerätehaus effizienter nutzen und welche Rolle können sie bei Klimafolgeanpassungen spielen?

Solutions

  • Förderung von Informationsaustausch: Der Bedarf von individuellen Lösungen ist groß. Jedes Gebäude ist anders und wird unterschiedlich genutzt. Erfasst man aktuelle Nutzungen, Nutzungsbedarfe sowie das Energiemanagement der Objekte und macht diese transparent, können wertvolle Synergieeffekte entstehen.
  • Flexible Arbeitsplatzgestaltung: Verfolgt man in öffentlichen Gebäuden einen ganzheitlichen Ansatz der Arbeitsplatzgestaltung unter Einbeziehung von Gesundheitsmanagement, Informationstechnik, finanziellem Aufwand, Gebäudemanagement und Datentransfer lassen sich Freiflächen gewinnen und Instandhaltungskosten reduzieren.
  • Bessere Nutzung von natürlichen Ressourcen (Sonne, Wind, Regenwasser): Best-Practice-Beispiele aus anderen Städten können als Vorbild dienen. Es gibt unter anderem Schwammstädte, in denen das Regenwasser gesammelt und nicht abgeleitet wird. Entsprechende Konzeptentwicklungen für Halle können zur Förderung des Bewusstseins für die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen beitragen.
  • Änderung von Nutzungsverhalten: Eine stärkere Beteiligung der Mitarbeiter:innen für eine ressourcenschonende Nutzung der Gebäude kann einen Transfer ins Verhalten im Privaten ermöglichen. Es gilt Vorteile durch Aufklärung bewusst zu machen, z.B. durch entsprechende Projekte in den Abteilungen/Teams.

Gestaltung von Wohnräumen

Was tun, wenn die Wohnung keinen Schutz vor Hitze bietet? Was kann man selbst machen, wo braucht es die Vermieter:innen, Gebäudeeigentümer:innen oder die Politik? Die Gäste dieser Diskussionsrunde kamen zu drei Lösungsansätzen, wobei der Punkt Kommunikation für sie der wichtigste war.

Solutions

  • Bauliche Maßnahmen: Wo es möglich ist, sollten Außenverschattungen wie Klappläden am Wohnhaus angebracht werden, um die Wärme gar nicht erst in die Wohnung zu lassen. Auch die Dachdämmung gilt es zu überprüfen. Das Sammeln von Regenwasser und der Erhalt von Grünflächen zur Vermeidung von Hitzeinseln sind zusätzliche Maßnahmen.
  • Verhalten und Organisation ändern: Das Querlüften ist simpel und effektiv, um Wohnungen kühler zu halten. Wem es möglich ist, der sollte in Hitzeperioden für die nötige Regeneration über Nacht im Freien schlafen. Wichtig ist jedoch: Jeder Bürger, jede Bürgerin muss selbst Verantwortung übernehmen, sich engagieren und sein Verhalten an die klimatischen Veränderungen anpassen. Dafür ist Wissensvermittlung essenziell.
  • Gesellschaftlicher Kontext: Für die Aufklärung und Verbreitung von Informationen empfiehlt sich das Einrichten einer Clearingstelle. Zusätzlich können Begegnungs- und Dialogräume für Mieter:innen und Vermieter:innen in Wohnquartieren zu Maßnahmen führen, die von allen Beteiligten getragen werden und die so langfristig wirken können. Vorausgesetzt die Vermittlung findet auf Augenhöhe und im eigenen Kiez statt.

Gestaltung von Gewerbeflächen

Zu heiß zum Shoppen? Halles Innenstadt ist aufgrund seiner baulichen Besonderheiten und der Lage eine der Hitze-Hot-Spots der Stadt. Bei dieser Challenge machten sich die Teilnehmer:innen Gedanken darüber, wie der Einkaufsbummel auch im Sommer für Gäste und Gewerbetreibende zum Erlebnis wird.

Solutions

  • Lernen aus dem Süden: Ähnlich einer Siesta, wie sie aus südlichen Ländern bekannt ist, können saisonale Öffnungszeiten mit einer Pause in den wärmsten Stunden des Tages und spätem Ladenschluss eine Möglichkeit sein, um Menschen das Einkaufen in Halles Innenstadt erträglich zu machen.
  • Intelligente Kühlung: Fassadenbegrünung, Pflanzinseln außen sowie der Einsatz von Mooswänden, Wasserzirkulation, Verdunstung sowie kühlenden Baumaterialien im Innenbereich der Geschäfte können das innerstädtische Klima positiv beeinflussen. Denkbar ist auch eine Nutzung der Wärmenetze zur Kühlung. Dies bedarf einer guten Beratung der Immobilieneigentümer:innen sowie der Gewerbetreibenden.
  • Kund:innen trotz Hitze in die Stadt locken: Die Schaffung von Ruhe- und Erholungsoasen kann eine anziehende Wirkung haben. Zusätzlich kann sich die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt durch gestalterische Mittel wie einheitliches Stadtmobiliar oder die Freiraumplanung ohne Sondernutzung weiter erhöhen.
  • Stadt als Impulsgeberin und Ermöglicherin: Eine städtische Auszeichnung von klimaresilienten Gewerbeeinheiten (inkl. Engagement und Sortimentsgestaltung) kann die öffentliche Wahrnehmung des Themas erhöhen und positiv beeinflussen. Denkbar sind zum Beispiel Umweltjahressiegel, Klimawanderpokal, Klimaengel, Wettbewerbe zur Motivationsauslösung.

Gestaltung des öffentlichen Raums

Halles Innenstadt ist stark versiegelt, was insbesondere im Sommer die Attraktivität und Aufenthaltsqualität verschlechtert. Doch im Challenge-Workshop hat man Lösungsansätze gefunden.

Solutions

  • Wasser: Wasser sollte in der Innenstadt stärker erlebbar sein. Eine Möglichkeit wäre, dafür den Mühlgraben zu nutzen und Regenwasser zu halten. Wasserflächen auf dem Markt sowie Sprühbogen für eine Verdunstung können für Abkühlung sorgen.
  • Grün: Mehr Grün und mehr Bäume im Bereich des Altstadtrings sorgen tagsüber für Schatten und nachts für Verdunstung, wodurch die Temperatur in der Stadt sinkt. Beim Bepflanzen und der Standortwahl sind die Bedürfnisse der Pflanzen nach Wasser und Licht zu beachten. Vorgärten sollten ebenfalls grün gestaltet werden. Zudem braucht es mehr Bildung und Verständnis für das Schaffen und Erhalten von Grünflächen in der Stadt.
  • Aufenthalt: Die Bevölkerung sollte in die Gestaltung durch das Vermitteln von Informationen (z.B. Grünfibeln mit Gestaltungsbeispielen) und durch Aktivitäten eingebunden werden. So könnte man unter anderem über Vorschläge für Fassadenbegrünungen abstimmen lassen oder über Bänke in der Rathausstraße. Auch eine Reduzierung des Verkehrs kann den Aufenthalt in Halles Innenstadt verbessern.

Solar- und Gründachbörse

In Halle entwickelt man eine Solar- und Gründachbörse. Geplant ist ein virtueller Marktplatz, der Dacheigentümer:innen und private oder institutionelle Investor:innen zusammenbringt. In der Challenge ging es um Möglichkeiten, wie diese Plattform ausgestaltet werden kann, um sie mit Leben zu füllen und Solar- und Gründächer in der Stadt zu etablieren.

Solutions

  • Crowdfunding- und Beteiligungsaktionen: Schwarmfinanzierung ist ein spannendes Thema für Solar- und Gründächer. Es ermöglicht eine Finanzierung der Anlagen mit gleichzeitiger Beteiligung durch Bürger:innen. Denkbar wäre zum Beispiel Crowdfunding als Identifikation mit dem Thema zu erhöhen. Auch Solardiskos sind ein Weg, um im Rahmen einer Party über Solar- und/oder Gründächer zu informieren und gleichzeitig Mittel für Anlagen zu sammeln.
  • PV-Anlagen: Um mehr Vertrauen seitens der Bürger:innen in Photovoltaik-Anlagen (PV) aufzubauen, braucht es eine Ansprache durch die Kommunen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, empfiehlt sich ein klassischer Brief. Darüber hinaus sollten Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen und geeignete Kommunaldachflächen identifizieren und für PV-Anlagen zur Verfügung stellen. Auch finanzielle Anreize sind notwendig. Geprüft werden muss, ob eine Finanzierung von PV-Anlagen eventuell durch die EVH möglich ist und ob die gewonnene Energie von den Hauseigentümern selbst genutzt werden kann. Eine verständlich aufgebaute Wissensplattform für Bürger:innen sollte den Zugang zum Thema erleichtern.
  • Gründach: Empfohlen wird eine Befragung der Bürger:innen, um die Bereitschaft für Gründächer zu erfassen. Eine Wissensplattform soll allgemein verständliche Informationen bieten und Menschen gewinnen, die sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt haben.

Gestaltung von Klimabildung

Die Wissenschaft ist sich einig: Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, muss jeder sein eigenes Konsumverhalten anpassen. Doch ist ein Großteil der Bevölkerung noch nicht bereit dazu. In diesem Workshop ging es um das große Thema „Wie machen wir die (von Klimawandel) Betroffenen zu Handelnden?“

Solutions

  • Eine gemeinsame Vision: Menschen handeln aus Überzeugung. Dabei spielen neben Fakten auch Emotionen eine wichtige Rolle. Um das Bewusstsein für den Klimawandel zu stärken, braucht es die populärwissenschaftliche Aufbereitung durch gut zugängliche Ausstellungen und Kampagnen. Dies kann auch durch Medien aktiv gesteuert werden. Um nicht zur Verdrängung beizutragen, sollten dabei auch positive Beispiele berücksichtigt werden, die verdeutlichen, was gemeinsam erreicht werden kann.
  • Klimabildung für alle: Klimabildung erfolgt derzeit an Schulen noch auf eigene Initiative. Formale Bildungskonzepte sollten integriert und Anreize z.B. durch Wettbewerbe geschaffen werden. Niederschwellige Angebote wie Lampentauschaktionen tragen dazu bei, alle Teile der Bevölkerung zu erreichen.
  • Wirtschaft aktivieren: Workshops und Vorträge können gerade im Mittelstand den Wunsch nach aktiver Veränderung bewirken. Dabei muss aufgezeigt werden, dass schwarze Zahlen und Klimaschutz einhergehen können. Positive Vorreiter-Beispiele haben zur Folge, dass weitere Firmen sich ebenfalls um Veränderung bemühen.
  • Politik: Stadtverwaltungsmitarbeiter:innen durch bspw. Kurse „klimafit“ machen während der Dienstzeit. Oder auch im Rahmen von Unterhausdebatten durch aktive Teilnahme verschiedener Anspruchsgruppen Bürger:innen, Mitarbeiter:innen usw. sensibilisieren und aufklären.

Ihre Lösungen sind noch nicht dabei? Nutzen Sie das Formular und schreiben Sie uns, wie Sie die Hitze-Challenges in Halle meistern wollen.

Im Solution-Workshop, der am 15. November 2022 stattfindet, werden die entstandenen Lösungsansätze bewertet und deren Umsetzung abgeleitet. Hier können Sie sich zum Solution-Workshop anmelden.