Fachkräfte (Bereich Medizin / Pflege) für den ländlichen Raum

Fachkräfte (Bereich Medizin / Pflege) für den ländlichen Raum

Es herrscht vor allem im Bereich der Verfügbarkeit von Fachkräften für die medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum großer Verbesserungsbedarf.

-> Gesundheitsdienstleistungen

Gerade im ländlichen Raum kommt es verstärkt zum Facharzt-Mangel. Fachärzte führen in der Regel keine Hausbesuche durch, zudem sind Fachärzte nur in Oberzentren angesiedelt, sodass sich lange Anfahrtswege mit hohem Kosten- und Zeitaufwand ergeben. Die Facharzt-Praxen an sich sind teilweise schlecht erreichbar, nicht barrierefrei und Patienten müssen lange Wartezeiten hinnehmen.


Gesundheits- und Pflegedienstleister sind teilweise technisch mangelhaft ausgestattet. Andererseits werden die Kompetenzen der Pflege- und Therapieberufe unterschätzt. Dazu gehört zum Beispiel, dass die bereits vorhandenen Patientendaten besser genutzt und aufbereitet werden könnten. Beachtet werden muss aber auch, das Pflegepersonal nicht alle Leistungen erbringen darf, die sie theoretisch im medizinischen Bereich erbringen könnten (z.B. Spritzen setzen). Insgesamt leidet die Pflegebranche im ländlichen Raum vor allem unter einem Ressourcenmangel an verfügbaren Fachkräften und an Zeit für die Arbeit am Patienten.

Bereits jetzt ist die Facharzt-Versorgung im ländlichen Raum unzureichend. Auf Grund der dünnen Bevölkerungsdichte und noch weiter rückschreitender Bevölkerungsanzahl wird der Betrieb einer Facharztpraxis auf dem Land in Zukunft nicht rentabler.

Gesundheits- und Pflegedienstleister, wie bspw. Physiotherapeuten sind durch weite Wegstrecken zwischen den einzelnen Patienten mit einem sehr ineffizienten Personaleinsatz konfrontiert. Dadurch ergeben sich hohe Fixkosten im Personalbereich. Variable Kosten (z.B. Kosten für Fahrtwege zwischen Patienten) sind verhältnismäßig hoch und könnten durch ein effektiveres Patientenmanagement gesenkt werden.

Die gesamte medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum steht vor dem Problem, dass ein hoher Zeitdruck herrscht und zu-dem das gesamte System auf Grund struktureller Gegebenheiten und personeller Engpässe sehr ineffizient arbeitet.

Mit folgenden Maßnahmen ließe sich eine Verbesserung der be-reits vorhandenen Fachkräfte im ländlichen Raum erreichen:
• Nutzung der Expertise von Pflegekräften als First-Level-Medizin. Die medizinische Grundversorgung wird von Pfle-gekräften übernommen und erst im nächsten Schritt ein (Voll-) Arzt konsultiert.
• Für akute Fälle könnte in der Leitstelle ein Tele-Mediziner be-reitstehen, an den sich die Quartierskraft wenden kann, bevor der nächste liegende Allgemeinmediziner angefordert wird.
• Nutzung der Digitalisierung als Chance, die vorhandenen Pflegekräfte besser und zielgenauer einsetzen zu können. Durch eine bessere Strukturierung des Arbeitsplans könnte am Ende mehr Zeit für die Arbeit am Patienten verbleiben. Dazu müsste vor allem die vorhandene Datenbasis besser genutzt werden.
• Andere Strategien in der Anwerbung und Einarbeitung (v.a. von ausländischen Fachkräften (siehe andere Arbeitsgrup-pe)).

• Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind für Befugnisse von Gesundheits- Pflegedienstleistern recht starr und unflexibel. Dies ist z.B. gerade für Gesundheitspersonal aus Spanien eine Hürde, obwohl dieses umfassender ausgebildet ist als vergleichbares deutsches Fachpersonal.
• Ausländische Fachkräfte treffen in vielen Regionen auf eine mangelnde Willkommenskultur. Eine Aufnahme und Integrationsstruktur und auch –kultur vor Ort fehlen im Regelfall.
• Die Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse stellt sich oft sehr schleppend und langwierig dar. Zudem ist die Vergleichbarkeit des Berufsfeldes „Pflege“ innerhalb Europas nicht immer gegeben.
• Der Pflegeberuf und die Gesundheitsfachberufe per se werden nicht genügend gewürdigt. Dazu kommen noch schlechte Arbeitsbedingungen für Fachkräfte im ländlichen Raum allgemein.
• In der Fläche gesehen besitzt die gesamte Infrastruktur der medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum bereits heute große Defizite.
• Andere Lösungsansätze sind zu erproben, um Fachkräfte gewinnen und halten zu können und insgesamt die Strukturen vor Ort flexibler gestalten zu können. Dazu können internetbasierte Ansätze nur begrenzt und komplementär hilfreich sein. Dagegen spricht vor allem die sehr schlechte Internetverbindung im ländlichen Raum in der Fläche.
• Telemedizin vernachlässigt in eklatanter Weise Formen der Familienanamnese durch Fachpersonal, die unzureichende Internetkompetenz und Ausstattung mit internetfähigen Geräten der potentiellen Patienten und insgesamt den sozialen Austausch und Interaktion. Telemedizin ist deshalb nur in begrenzten Fällen ein Ansatz zur Linderung der Probleme, da auf Grund der (noch) fehlenden Ressourcen im ländlichen Raum diese Probleme sich mit Telemedizin eher verstärken.

Die Versorgung des Gesundheitssystems im ländlichen Raum mit genügend Fachkräften sicher zu stellen, damit das System als Ganzes und die medizinische Grundversorgung an sich aufrecht erhalten bzw. wieder angemessen aufgebaut werden kann.

• Bevölkerung
• Pflegebedürftige / Menschen mit Bedarf an regelmäßiger medizinischer (Facharzt-)Betreuung
• Örtliche Entscheidungsträger / Politik / Landesregierung
• Kommunen
• Gesundheitssystem (Krankenkassen, Pflegekasse)
• Ärzte (Fachärzte und Allgemeinmediziner)
• Pflegedienste bzw. –beschäftigte
• Gesundheitsdienstleister (Physio-, Ergo- und Logooädie)