Pilotprojekt „Musterquartier“ - Sicherung der medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum

Im Rahmen des demographischen Wandels und den vorherrschenden Migrationsbewegungen innerhalb Deutschlands kommt der medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum eine immer größere Bedeutung bei als Grundbaustein des Themenfeldes „Infrastruktur“.

Die medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum lässt sich in folgende Hauptbestandteile unterteilen:

  • Allgemeinmediziner

Derzeit ist die Grundversorgung mit Allgemeinmedizinern in verschiedenen Verbandsgemeinden (z.B. Weida-Land) oder Kleinstädten (z.B. Mücheln) noch gegeben. Fachärzte hingegen finden sich meist nur in den Ballungszentren wieder. Dieser Zustand ist noch akzeptabel, jedoch wird sich die Situation in den kommenden 10 Jahren weiter verschärfen, da in den beiden genannten Regionen keine Nachfolge der Praxen sichergestellt ist.

  • Zugang zu Medikamenten

In den meisten Ortschaften existieren keine Apotheken (mehr) und in den noch bestehenden ist – ähnlich wie zuvor bereits für Allgemeinmediziner beschrieben – die Nachfolge nicht sichergestellt.

  • Pflegedienste

Pflegedienste haben heute bereits Probleme ausreichend Mitarbeiter zu gewinnen, da diese hoch qualifizierte und universell einsetzbare Fachkräfte sind. Zudem verbringen die vorhandenen Pflegekräfte auf Grund der weiträumigen Struktur des ländlichen Raumes häufig die meiste Einsatzzeit im PKW.

 

  • Allgemeinmediziner

Die niedrige Attraktivität des Landarztberufes verbunden mit geringeren Einkommensaussichten im Vergleich zu Allgemeinmedizinern in Städten oder Fachärzten und unregelmäßigeren und längeren Arbeitszeiten sorgen für nicht genügend Nachwuchs zur Praxisübernahme der Landarztpraxen.

  • Zugang zu Medikamenten

Apotheken befinden sich nicht nur durch das Aufkommen von Versandapotheken im Wettbewerbskampf. Durch sinkende Margen und durch ein bedingt durch den demographischen Wandel sich ändernder und schrumpfender Kundenstamm werden Apotheken auf dem Land immer unrentabler. Dadurch finden sich Apotheken vermehrt nur noch in Ober- oder Versorgungszentren wieder.

  • Pflegedienste

Sie sind durch weite Wegstrecken zwischen den einzelnen Patienten mit einem sehr ineffizienten Personaleinsatz konfrontiert. Dadurch ergeben sich hohe Fixkosten im Personalbereich. Weiterhin kann der Zugang zu allen Patienten nicht sichergestellt werden.

Die gesamte medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum steht vor dem Problem, dass ein hoher Zeitdruck herrscht und zudem das gesamte System auf Grund struktureller Gegebenheiten sehr ineffizient arbeitet.

Mit folgenden Maßnahmen ließe sich eine Verbesserung der medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum erreichen:
• Einstellung einer Quartierskraft (bzw. Dorfschwester). Die medizinische Grundversorgung (First-Level-Medizin: Blutdruck messen, Erstversorgung, Insulingabe, Erstbegutachtung im akuten Krankheitsfall, Bereitstellung täglicher Medikamentationen) würde von ihr übernommen und erst im nächsten Schritt – wenn notwendig – ein (Voll-)Arzt konsultiert.
• Eröffnung eines Gemeindezentrums (für Sport, Krankengymnastik und Pflege).
• Schaffung einer Pflegebörse bzw. Beschränkung der Anzahl der Pflegedienste pro Ortschaft (Tausch von Zuständigkeitsgebieten/Patienten). Durch die Bündelung und Fokussierung auf nur einen Pflegedienst kommt es zu einer besseren und effizienten Versorgungsleistung.
• Um den Zugang zum Patienten für den Pflegedienst zu erleichtern, sollten alle Patientenwohnungen mit einem elektronischen Schließsystem ausgestattet werden.
• Für Allgemeinmediziner muss zu einer Attraktivitätssteigerung des Landarzt-Berufs kommen. Dies kann zum Beispiel durch die kostenlose Überlassung der Praxisräume im Gemeindezentrum geschehen oder durch finanzielle Hilfe bei der Praxisübernahme oder durch andere Anreizsysteme.

  • Grundsätzlicher Mangel an Allgemeinmedizinern, der den ländlichen Raum überproportional stark betrifft.
  • Der schnelle Zugang zu Medikamenten über die Gemeindeschwester wird nicht sichergestellt, da immer eine gewisse Vorlaufzeit eingeplant werden muss (Nicht taggleiche Lieferung wie bei einer Apotheke im städtischen Umfeld).
  • Im Bereich der Pflegedienste stellen die vorgeschlagenen Maßnahmen zur regionalen Aufteilung einen Eingriff in die Marktfreiheit dar und würden möglicherweise kartellrechtliche Konsequenzen bzw. Auseinandersetzungen verursachen

Ziel ist die Schaffung einer Modellregion mit belebtem Ortskern. An dieser Stelle soll mit dem Sitz eines Landarztes (vielleicht auch nur temporär bzw. tageweise und somit Teilung des Landarztes mit verschiedenen Gemeinden) mit der Kombination einer dauerhaften Ansprechperson in Form der Gemeindeschwester die medizinische Grundversorgung langfristig sicherstellen.

  • Bevölkerung
  • Pflegebedürftige / Menschen mit Bedarf an regelmäßiger medizinischer Betreuung
  • Örtliche Entscheidungsträger / Politik / Landesregierung
  • Gesundheitssystem (Krankenkassen, Pflegekasse)
  • (Land-)Ärzte
  • Pflegedienste bzw. –beschäftigte
  • Apotheken